Vorbeugende Instandhaltung

In Gesprächen mit Instandhaltungsleitern erhalten wir häufiger die Rückmeldung, dass man im Wesentlichen mit Störgeschäft beschäftigt sei und operative Hektik das Tagesgeschäft präge. Als Ziel und Wunschzustand wird in diesen Fällen angegeben, zukünftig doch mehr vorbeugende Instandhaltung zu betreiben. Doch ist vorbeugende Instandhaltung tatsächlich immer anzustreben?

Was ist vorbeugende Instandhaltung?

Von vorbeugender Instandhaltung spricht man, wenn die gleichen Wartungs- oder auch Instandsetzungsarbeiten regelmäßig wiederkehrend in festgelegten Zeitintervallen an einer technischen Anlage durchgeführt werden.

Mit einer vorbeugenden Instandhaltung werden verschiedene Ziele verfolgt:

  • Reduzierung des Risikos eines Anlagenausfalls
  • Verlangsamung des Degradationsverhaltens der Anlage
  • Vermeidung von Folgeschäden durch einen ungeplanten Anlagenausfall
  • Reduzierung der Instandhaltungskosten inkl. der mit einem Stillstand verbundenen Nichtverfügbarkeits-Kosten (Margenverluste)

Einsatzbereich einer vorbeugenden Instandhaltung

Eine vorbeugende Instandhaltung ist nicht für alle technischen Anlagen geeignet. Insbesondere wenn Kosten und Nutzen bei einer vorbeugenden Instandhaltung ein ungünstiges Verhältnis aufweisen, sollte nach alternativen Ansätzen gesucht werden. Darüber hinaus bieten die folgenden Kriterien einen ersten Anhalt, ob die ausgewählte technische Anlage für eine vorbeugende Instandhaltung geeignet ist:

  • Die technische Anlage weist ein gleichmäßiges Verschleißverhalten auf
  • Das Ausfallverhalten der technischen Anlage ist bekannt
  • Die technische Anlage wird gleichmäßig genutzt und belastet (# Bh, gleiche Umgebungsbedingungen, gleiche Produkte,….)
  • Die Kosten für die Durchführung der vorbeugenden Instandhaltungsmaßnahmen sind gering

Letztlich bietet sich eine detaillierte Kosten-Nutzen-Betrachtung an, um die Wirtschaftlichkeit einer vorbeugenden Instandhaltung gegenüber alternativen Ansätzen nachweisen zu können.

So profitieren Sie von einer vorbeugenden Instandhaltung

Darüber hinaus bietet eine vorbeugende Instandhaltung weitere Vorteile. Insgesamt sprechen 7  Aspekte für eine stärkere Nutzung einer vorbeugenden Instandhaltung:

  1. Der Durchführungstermin der Arbeiten kann mit dem Betrieb abgestimmt werden. Damit sind die betrieblichen Auswirkungen meist geringer als bei ungeplanten Ausfällen.
  2. Die durchzuführenden Arbeiten sind bekannt. Somit sollten die benötigten Ersatzteile und Mitarbeiter zur Verfügung stehen.
  3. Die benötigten Ersatzteile können rechtzeitig zum abgestimmten Durchführungstermin bestellt werden. Eine Einlagerung ist also nicht notwendig. Somit kann der Lagerbestand an Ersatzteilen reduziert werden.
  4. Die gleichen Arbeiten werden regelmäßig wiederholt. Somit ist eine höhere Arbeitsqualität und effizientere Durchführung zu erwarten.
  5. Sollen die Arbeiten durch einen Instandhaltungsdienstleister erbracht werden, so kann dieser die Arbeiten exakt kalkulieren und als Festpreis anbieten– ein Risikozuschlag ist nicht zu erwarten.
  6. Das jährliche Budget für eine vorbeugende Instandhaltung ist genau kalkulierbar.
  7. Der Anteil ungeplanter Anlagenausfälle ist in der Regel geringer als bei einer reaktiven Instandhaltung.

Hierauf sollten Sie auf jeden Fall achten

Zu berücksichtigen ist jedoch auch, dass sich Nachteile aus der vorbeugenden Instandhaltung ergeben können wie z.B.:

  • Die Intervalle sind zu kurz gewählt. Dies führt zu …
    • erhöhten Instandhaltungskosten (Personal, Material)
    • einem erhöhten Ausfallverhalten aufgrund von Frühausfällen
  • Erhöhter Planungsaufwand
  • Durch den vorbeugenden Ersatz von Baugruppen gibt es keine Kenntnis über das tatsächliche Ausfallverhalten der technischen Anlage. Dies kann zu falsch gewählten Intervallen und Arbeitsinhalten führen.