Diese 3 Punkte sind bei der Umsetzung von Instandhaltung 4.0 besonders zu beachten

Digitalisierung in der Instandhaltung

Instandhaltung 4.0 ist keine einzelne Software oder ein sonstiges Produkt, dass man einkaufen kann. Vielmehr ist Instandhaltung 4.0 ein Zielzustand, der am Besten mittels eines Reifegradmodells beschrieben werden kann. Für Unternehmen bedeutet dies, für sich diesen Zielstand ganz individuell zu definieren und vor dem Hintergrund der sich ändernden Rahmenbedingungen regelmäßig zu überprüfen. Auf dem Weg, die eigene Instandhaltung in Richtung Instandhaltung 4.0 weiterzuentwickeln, sind aus unserer Sicht drei grundsätzliche Punkte zu beachten.

Instandhaltung 4.0 beschreibt eine Instandhaltung, die geprägt ist von einem höheren Digitalisierungsgrad der Instandhaltungsprozesse. Das Versprechen von Instandhaltung 4.0 ist es, durch die intensivere Nutzung bzw. Einführung von (neuen) Technologien, verbesserten Verfahren, Instrumenten und Methoden weitere Verbesserungsmöglichkeiten in der Instandhaltung aufzuzeigen und umzusetzen. Messbare Resultate von Instandhaltung 4.0 können z.B. verbesserte technische Anlagenverfügbarkeiten oder geringere Instandhaltungskosten sein.

Somit ist der Weg zu einer Instandhaltung 4.0 für jedes Unternehmen individuell festzulegen. Nicht jede mögliche technische Lösung wird für jedes Unternehmen passen und auf die oben skizzierten Resultate einzahlen. Unabhängig davon sollten jedoch 3 Punkte auf dem Weg zu einer Instandhaltung 4.0 besonders beachtet werden.

(1) Beschreibung der Vision „Instandhaltung 4.0“

Haben Sie eine Vision, in der Sie den Zielzustand für Ihre Instandhaltung skizzieren. Hierbei sind insbesondere die strategische Ausrichtung des Unternehmens, die konkreten Anforderungen der Produktion sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Unternehmen, die bereits den in der DIN ISO 55000 ff geforderten strategischen Assset Management Plan nutzen, können diesen als Basis für ihre Vision einer Instandhaltung 4.0 nehmen (Mehr zum Thema Asset Management erfahren Sie in unserem Video). Bei der Beschreibung des Zielzustand muß nicht alles bis ins letzte Detail ausgestaltet sein. Jedoch sollten wichtige Eckpunkte des Zielzustands beschrieben sein. Zu den Eckpunkten zählen hierbei die Aspekte Strategie, Kunde, Strukturen, Prozesse, EDV-Unterstützung, Organisation und Führung (s. auch Blogbeitrag „Was ist Instandhaltung 4.0?„.

Aus dieser Vision leiten sich im Abgleich mit dem Ist-Zustand die erforderlichen Umsetzungsschritte ab. Erlauben Sie sich schon mit der Umsetzung zu beginnen auch wenn noch nicht der gesamte Weg zur Umsetzung der Vision vollständig klar ist. Gerade in der heutigen Zeit ist die Umsetzungsgeschwindigkeit ein wichtiges Erfolgskriterium. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Bau der Tesla Batteriefabrik in Grünheide auf Basis einer Reihe von Vorabzulassungen [1].

(2) Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter mit auf die Change-Reise

Veränderungen bedeuten immer auch Risiken und Unsicherheiten nicht nur für das Unternehmen sondern auch für die Mitarbeiter. Je nach Unternehmenskultur werden Veränderungen mal mehr und mal weniger positiv aufgenommen. Aus dem Change Management kommen verschiedene Ansätze und Methoden, um den Veränderungsprozess zu unterstützen. Change Management ist ein komplexes Themenfeld, daher möchte ich hier nur 2 Aspekte kurz ansprechen, die aus meiner Sicht von besonderer Bedeutung sind.

a) Narrativ nutzen

Das Narrativ ist eine sinnstiftende Erzählung, die die 3 Kernelemente, die Veränderungsmotivation grundsätzlich braucht, erklärt:

  • Warum ist Veränderung in Richtung Instandhaltung 4.0 notwendig?
  • Aufzeigen der mit Instandhaltung 4.0 verbundenen Ziele, Visionen, Chancen und Nutzen
  • Den Weg inklusive der benötigten Ressourcen und Aufgaben aufzeigen, mit Hilfe derer man den Wandel vollziehen wird [2]

Daher sollte zu Beginn eines komplexen und langwierigen Veränderungsprozesses das Narrativ geklärt und kommuniziert werden.

b) Stakeholdermanagment umsetzen

Nutzen Sie eine Stakeholderanalye als Ausgangspunkt, um daraus eine zielgerichtete Kommunikation und die notwendigen Maßnahmen zur aktiven Einbindung der Stakeholder abzuleiten. Ergebnis kann hierbei u.a. ein Projektplan sein der das „Drehbuch für den Wandel“ ist. Eine regelmäßige Überprüfung des „Drehbuchs“ ist empfehlenswert, um frühzeitig Handlungsbedarfe zu erkennen und daraus die notwendigen Interventionen abzuleiten.

(3) Hohe Umsetzungsqualität sicherstellen

Eine Selbstverständlichkeit ist die Qualität in der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen. Basis hierfür ist ein professionelles Projektmanagement. Da es zum Projektmanagement ausreichend Literatur (z.B. DIN ISO 21500, oder in diesem Video) gibt es hier nur einige Hinweise darauf, was aus unserer Sicht besondere Hindernisse für eine hohe Umsetzungsqualität darstellen:

  • Unklare oder sich wandelnde Zielsetzungen
  • Zu knappe Zeitpläne
  • Mangelndes Stakeholder-Management
  • Nicht ausreichende Bereitstellung von Ressourcen
  • Ungenügende Unterstützung durch Team und Management
  • Fehlende Flexibilität

Bei der Berücksichtigung der aufgeführten 3 Punkte „Vision“, „Change“ und „Umsetzungsqualität“ sollte einer erfolgreichen Umsetzung von Instandhaltung 4.0 kaum noch etwas im Wege stehen.

Unser Tipp

Für zusätzliche Informationen zum Thema Instandhaltung 4.0 vereinbaren Sie einfach ein kostenloses Expertengespräch. (Hier senden Sie uns Ihren Terminwunsch)

 

Quellen

[1] Tagesschau: Es wird wohl eher spät im Jahr. Stand: 01.05.2021 https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/tesla-gruenheide-113.html

[2] Demmelhuber, H.: Veränderungen erfolgreich managen, in: Praxis Produktionsmanagement, TÜV Media Verlag, 2021.

Hier erhalten Sie einen schnellen Überblick über das Wesentliche:
Was genau versteht man unter Instandhaltung 4.0 und ist es nur ein Softwarekauf?

Nein, Instandhaltung 4.0 ist keineswegs eine einzelne, einkaufbare Software oder ein Produkt. Vielmehr handelt es sich um einen Zielzustand. Dieser Zielzustand beschreibt eine Instandhaltung, die durch einen deutlich höheren Grad an Digitalisierung und den Einsatz neuer Technologien, Verfahren sowie Methoden geprägt ist. Das Ziel ist die kontinuierliche Verbesserung der Prozesse (z. B. höhere Anlagenverfügbarkeit zu geringeren Kosten). Für jedes Unternehmen bedeutet dies, diesen Zielzustand individuell zu definieren und regelmäßig im Kontext sich ändernder Rahmenbedingungen neu zu überprüfen.

Wie beginnt ein Unternehmen am besten mit dem Wandel hin zu Instandhaltung 4.0?

Der Prozess ist sehr individuell festzulegen. Ein entscheidender erster Schritt ist die Definition einer klaren Vision. Hierbei sollte das Unternehmen den gewünschten Zielzustand detailliert skizzieren und dabei strategische Ausrichtungen, Produktionsanforderungen sowie rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigen (Basis kann u.a. der Strategische Asset Management Plan nach DIN ISO 55000 sein). Anschließend können aus dieser Vision – im Abgleich mit dem aktuellen Ist-Zustand – die notwendigen Umsetzungsschritte abgeleitet werden. Wichtig ist auch, frühzeitig damit zu starten und die Umsetzungsgeschwindigkeit hoch zu halten.

Welche Rolle spielen Mitarbeiter und Kommunikation bei der Einführung von Instandhaltung 4.0?

Ein erfolgreicher Wandel hängt stark vom Change Management ab. Da Veränderungen Unsicherheit auslösen, müssen Mitarbeiter aktiv mitgenommen werden. Dabei sind zwei Aspekte besonders wichtig: Erstens die Nutzung eines Narrativs: Es muss eine sinnstiftende Geschichte erzählt werden, die erklärt, warum der Wandel notwendig ist, welche Ziele erreicht werden sollen und wie man das Ziel erreicht. Zweitens das Stakeholdermanagement: Mithilfe einer Stakeholderanalyse muss ein „Drehbuch für den Wandel“ erstellt werden, um die notwendige aktive Einbindung der Interessengruppen zu gewährleisten.